Der Hermes vor der Hermesvilla – Wächter eines kaiserlichen Rückzugsortes. Wer die Hermesvilla im Wiener Lainzer Tiergarten besucht, begegnet bereits vor dem Betreten des Gebäudes ihrer namensgebenden Figur: dem marmorgefertigten Hermes. Die eindrucksvolle Statue steht vor dem Haupteingang der Villa und ist weit mehr als ein dekoratives Kunstwerk. Sie verkörpert die Idee eines geschützten Rückzugsortes und ist eng mit der Geschichte von Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als „Sisi“, verbunden.
Die Hermesvilla wurde in den Jahren 1882 bis 1886 im Auftrag von Kaiser Franz Joseph I. errichtet. Der Kaiser hoffte, seiner reisefreudigen Gemahlin damit einen Ort zu schaffen, an dem sie sich gerne und häufiger in Wien aufhalten würde. Die Villa lag bewusst abgeschieden im damaligen kaiserlichen Jagdgebiet, dem heutigen Lainzer Tiergarten, und sollte Ruhe, Erholung und Privatsphäre bieten.
Die vor der Villa aufgestellte Hermes-Statue entstand zeitgleich mit dem Bau des Gebäudes. Geschaffen wurde sie vom Berliner Bildhauer Ernst Herter, einem Künstler, den Kaiserin Elisabeth besonders schätzte. Die Figur besteht aus weißem Marmor und stellt den antiken Gott Hermes dar – den Götterboten der griechischen Mythologie.
Hermes galt als Beschützer der Reisenden, Begleiter auf Wegen und Vermittler zwischen verschiedenen Welten. Gerade diese Eigenschaften machten ihn zu einer passenden Symbolfigur für Elisabeth, deren Leben von Reisen, Bewegung und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit geprägt war. Die Statue wurde deshalb als „Hermes der Wächter“ konzipiert – als Beschützer des Rückzugsortes der Kaiserin.
Ihre Bedeutung ging sogar so weit, dass sie der gesamten Anlage ihren Namen gab. Ursprünglich war für das Gebäude die Bezeichnung „Villa Waldruh“ vorgesehen. Erst nach der Aufstellung der Hermesfigur setzte sich der Name „Hermesvilla“ durch, unter dem das Bauwerk bis heute bekannt ist.
Auch kunsthistorisch besitzt die Statue einen besonderen Stellenwert. Sie verkörpert nicht nur einen mythologischen Gott, sondern steht symbolisch für Schutz, Freiheit und die Verbindung zwischen der Welt des Hofes und der Natur des Lainzer Tiergartens. Damit spiegelt sie zentrale Aspekte aus dem Leben und der Persönlichkeit Elisabeths wider.
Heute wird die Hermesvilla vor allem mit Kaiserin Elisabeth in Verbindung gebracht. Dennoch bleibt die Statue des Hermes das eigentliche Wahrzeichen der Anlage. Sie erinnert daran, dass dieser Ort ursprünglich als persönlicher Zufluchtsort der Kaiserin gedacht war – bewacht von jenem Gott, der seit Jahrtausenden für Bewegung, Reisen und die Freiheit des Unterwegsseins steht.