Der Muschelbrunnen im Garten des Schlosses Belvedere in Wien ist ein bedeutendes Beispiel barocker Gartenkunst des frühen 18. Jahrhunderts. Die weitläufige Gartenanlage wurde zwischen etwa 1700 und 1725 im Auftrag von Prinz Eugen von Savoyen geschaffen, einem der einflussreichsten Feldherren und Kunstmäzene seiner Zeit. Während der Architekt Johann Lukas von Hildebrandt die beiden Schlossbauten entwarf, lag die Gestaltung der streng symmetrischen Gartenanlage in den Händen des aus Frankreich stammenden Gartenarchitekten Dominique Girard, der zuvor an den Gärten von Versailles mitgewirkt hatte.

Der Muschelbrunnen befindet sich im unteren Bereich des Gartens und bildet einen wichtigen gestalterischen Abschluss der barocken Achse. Im Zentrum des Brunnens stehen kunstvoll gearbeitete Tritonenfiguren, die ein muschelförmiges Becken tragen und damit dem Brunnen seinen Namen geben. Die Darstellung mythologischer Meereswesen verweist auf das Element Wasser, das im Barock nicht nur als dekoratives, sondern auch als symbolträchtiges Gestaltungsmittel eingesetzt wurde. Wasser stand für Bewegung, Lebenskraft und für die technische sowie wirtschaftliche Potenz des Bauherrn, da aufwendige Wasserspiele beträchtliche Mittel und ingenieurtechnisches Können erforderten.

Der Muschelbrunnen ist Teil eines durchdachten Gesamtkonzepts aus Parterres, Skulpturen und Kaskaden, das den Besucher entlang klarer Sichtachsen vom Unteren zum Oberen Belvedere führt. Nach Phasen des Verfalls wurden die Brunnenanlagen in den Jahren 2005 bis 2010 umfassend restauriert, wobei besonderer Wert auf die Erhaltung der barocken Originalsubstanz gelegt wurde. Heute präsentiert sich der Muschelbrunnen wieder als eindrucksvolles Zeugnis höfischer Repräsentationskultur und als harmonischer Bestandteil eines der schönsten Barockgärten Europas.

Objektfotos
Wien 3D - Landstraße - Muschelbrunnen
Wien 3D - Stadtpark Wien - Muschelbrunnen

Standort



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