Der monumentale Springbrunnen im Inneren der Rotunde Wien war eines der eindrucksvollsten Ausstattungsstücke der Weltausstellung 1873 Wien und bildete das gestalterische Zentrum des riesigen Kuppelbaus im Wiener Prater. Die Rotunde selbst galt mit ihrer gewaltigen Eisenkonstruktion und dem damals größten Kuppeldurchmesser der Welt als Symbol des technischen Fortschritts, und der Brunnen verstärkte diesen Eindruck durch seine Monumentalität und reiche künstlerische Ausarbeitung.

Gefertigt wurde der Brunnen von der renommierten französischen Erzgießerei Antoine Durenne, deren Gussarbeiten im 19. Jahrhundert europaweit als Musterbeispiele industrieller Kunst galten. Der Entwurf stammte vom Bildhauer Jean-Jules Klagmann, der für seine repräsentativen historistischen Brunnenanlagen bekannt war. Das aus Gusseisen gefertigte Werk verband technische Präzision mit dekorativem Figurenreichtum und entsprach damit ideal dem Selbstverständnis der Weltausstellungen als Schaufenster von Industrie, Kunst und Ingenieurwesen.

Im Inneren der Rotunde stand der Brunnen frei unter der mächtigen Kuppel und war von allen Seiten sichtbar. Zeitgenössische Fotografien zeigen, wie Besucher im riesigen Innenraum beinahe verloren wirken, während Wasser, Eisen, Licht und Architektur zu einem bewusst überwältigenden Gesamteindruck verschmelzen. Der Brunnen war nicht nur ein dekoratives Element, sondern ein zentraler Blickfang und Treffpunkt innerhalb der Halle.

Die Geschichte des Brunnens ist jedoch eng mit dem Schicksal der Rotunde selbst verbunden. Nachdem die Rotunde in den folgenden Jahrzehnten für Messen und Ausstellungen genutzt worden war, wurde sie 1937 durch einen Großbrand vollständig zerstört. Der Brunnen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Teil eines dauerhaft genutzten Bauwerks und wurde schließlich verkauft.

Der Springbrunnen gelangte nach Graz, wo er im Grazer Stadtpark aufgestellt wurde und bis heute als „Franz-Josef-Brunnen“ erhalten ist. Damit zählt er zu den wenigen großformatigen Objekten der Wiener Weltausstellung von 1873, die den Verlust der Rotunde überdauert haben.

Hintergrund: Oscar Kramer (Fotograf), Wiener Photographen-Association (Verlag), Weltausstellung 1873: Rotunde, Innenansicht mit Brunnen (Nr. 792), 1873, Wien Museum Inv.-Nr. 174006/25, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/344069/)

Objektfotos
Wien 3D - Leopoldstadt - Rotunde-Brunnen
Wien 3D - Leopoldstadt - Rotunde-Brunnen

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