Die Statue des Sonnengottes Helios bildet den krönenden Abschluss der Kuppel des Naturhistorisches Museum Wien und gehört zu den bekanntesten Dachfiguren der Wiener Ringstraßenarchitektur.
Die etwa fünf Meter hohe Bronzestatue steht auf der Laterne der Kuppel in rund 65 Meter Höhe. Sie stellt den griechischen Sonnengott Helios dar und symbolisiert das lebensspendende Element der Sonne, ohne das die Natur nicht existieren könnte. Damit bildet die Figur ein programmatisches Symbol für das Museum, dessen Aufgabe die Erforschung und Erklärung der Natur ist.
Geschaffen wurde die Figur vom Wiener Bildhauer Johannes Benk (1844–1914), einem bedeutenden Vertreter der historistischen Monumentalskulptur in Wien. Benk fertigte für die beiden sogenannten Hofmuseen – das Naturhistorische und das Kunsthistorische Museum – mehrere plastische Arbeiten. Neben dem Helios auf dem Naturhistorischen Museum schuf er auch die Figur der Athene auf der Kuppel des gegenüberliegenden Kunsthistorischen Museums.
Die Statue zeigt Helios als idealisierten jugendlichen Männerkörper mit einer Strahlenkrone, die seine Verbindung zur Sonne symbolisiert. In der erhobenen Hand hält er eine Fackel, die als Sinnbild für Licht, Erkenntnis und Aufklärung verstanden werden kann. Die klassische Nacktheit und die antikisierende Haltung knüpfen bewusst an die Bildsprache der antiken griechischen Skulptur an. Der Sonnengott erscheint damit als allegorische Figur des „Lichts der Wissenschaft“, das die Natur sichtbar und erklärbar macht.
Im Gesamtkonzept des Gebäudes ist die Figur Teil eines umfangreichen ikonographischen Programms aus mythologischen Gestalten, Allegorien und Porträts bedeutender Naturforscher. Dieses Programm sollte die historische Entwicklung der Naturerkenntnis darstellen und das Museum als „Tempel der Wissenschaft“ inszenieren. Die Heliosfigur bildet dabei den höchsten und symbolisch wichtigsten Punkt der Anlage und markiert den Abschluss der Kuppelarchitektur.